Der englische Titel Designing Religions
wird der Idee des Eintrages vermutlich ein wenig gerechter. Ursprünglich noch für die erste Version von Immersion I/O geplant, hier mehr als Zusammenfassung der Idee von Religion und Spiritualität als eine individuell gefertigte Ware für den Massenmarkt. (Ich benutze absichtlich nicht den Begriff “Religion 2.0”.)
Das bedeutet, dass sich eine Person einen Glauben oder eine Spiritualität ganz nach eigenen Glaubens- oder Lebensgrundsätzen und -idealen anfertigen (lassen) kann und entsprechende Leitfäden, Hilfen und ähnliches bekommt. Ob es aus Unvereinbarkeit mit bestehenden Religionen entstanden, es marginale, aber grundsätzliche Abweichungen zu einer bestehenden Glaubensmanifestation gibt, vorher vielleicht gar kein Kontakt bestand, oder es aber zu einem Bruch gekommen ist – der einzige Maßstab wäre der eigene Wille (zu glauben, zu praktizieren etc.).
Dank globaler Verfügbarkeit von Wissen und manchmal auch Weisheit und einer entsprechenden Infrastruktur ließe sich diese Idee realisieren und hätte wahrscheinlich folgende wesentlichen Merkmale:
-
Innere Ruhe / Seelenfrieden als Selbstzweck
Die Reduzierung auf den Anspruch, Geistes- oder Glaubenshaltung verfolgt einen positiven Selbstzweck. Sie bedeutet dann Alltagsergänzung, Seelenfrieden, “Glauben” als Stärkung ohne Abhängigkeit oder Diktat einer Institution. -
“Demokratisierungen” der Religion(en)
Dadurch, dass es keine gesetzgebende, normative Institution mehr gibt, fällt der Absolutheitsanspruch wie bei den meisten Religionen weg, der ja nicht gerade selten zu Konflikten geführt hat. Kein Glaube ist / kann besser oder der richtige sein, besonders, wenn er als Individuelle Angelegenheit konzipiert ist. -
Gemeinschaft auf “wollen”-Basis, nicht “müssen”
Grundlegende gemeinsame Faktoren würden Treffen mit ähnlich glaubenden Menschen ermöglichen (sozusagen das Gegenstück zur liquid democracy. Es würden Wertegemeinschaften mit metaphysischem Anspruch entstehen. -
Vereinbar mit gesellschaftlichem Wandel
Durch Reduktion auf wesentliche Merkmale – und der Möglichkeit, Parameter zu ändern, sollte das Produkt vereinbar mit gesellschaftlichem Wandel sein, da… -
Betonung der Individualität
Glauben und Spiritualität sind eine ausschließlich persönliche Sache, die durch die hier vorgestellte Idee nur weiter verstärkt werden soll.
Erwähnenswert in dem Zusammenhang sind da natürlich bestehende synkretische Religionen, wie in etwa Caodaismus.
Praktisch ausweisen und bekennen könnte man sich zum Beispiel durch ein Label auf den eigenen oder fremden Seiten ähnlich einer Creative Commons, um glaubensnahe Menschen zu finden.
Es sei dann als Abschlussbemerkung natürlich noch erwähnt, dass dieser Eintrag nicht als Herabwürdigung bestehender (spirituellen) Glaubensgruppen und -gemeinschaften zu verstehen ist – und ich an dieser Stelle absichtlich nicht zwischen Spiritualität und Glauben trenne. Ich bin ohnehin Ignostiker.
{ 1 Kommentar… Lies ihn oder kommentiere selbst! }
Ein verwandtes Konzept ist das der .